Zum Gobelin

#1 von Biggi , 07.09.2011 14:01

Die Gobelinweberei wird auch Bildweberei genannt.
Für diese Arbeiten kann man kleine oder große 2schäftige Apparate benutzen.
Im Vorraus sei zu bemerken, das man zur Ausführung solcher Arbeiten etwas zeichnerisches Talent, zumindest aber Formgefühl haben muss.
Die Gobelinweberei gehört zur "Schußripsleinenbindung" .
Hierfür muss die Kette unbedingt aus einem festen Material und in kleinen Abstand gespannt werden.
Für den dichten Schuß, der die Kettfäden vollkommen decken muss, kann man jedes Material verwenden.
Die einzelnen Arbeitsfäden fädelt man in stumpfe Sticknadeln ein und stopft, selbst wenn man einen Webapparat benutzt, die einzelnen Formen in die Kettfäden ein.
Für solche Arbeiten ist immer ein großes Farbsortiment erforderlich und wer sich einmal damit befasst hat, wird bald erkennen, daß man mit dem Kamm gar kein Fach bilden kann, weil man nicht durchgehende Reihen, sondern in einzelnen Stücken weben muss.
Arbeitet man auf einem Apparat, so ist der Kamm nur dazu da, die Kettfäden in der gleichen Entfernung voneinander zu halten.
Man kann aber auch die Webfäden als kleine Bündel wockeln und diese durch die Kettfäden hin- und herführen, wenn man größere Fächen webt.
Dabei ist es ratsam, den Webkamm als Unterstützung zu nehmen, der dann stückweise ein Fach bildet.
Ornamentale Muster werden nach Zählmuster, hingegen Bildweberein nach freier Zeichnung gearbeitet.
Webt man nach Zählmuster, so braucht man für jede Kästchenreihe 6-8 Schußfäden.
Natürlich kommt es auf die Art des Webmaterials und auf die Festigkeit des Anschlages an.
Bei dünnen Schußfäden mauss man ein paar Schüsse mehr rechnen als bei starkem Material, damit das Muster die gleichen Formen erhält wie auf dem Zählmuster ersichtlich.
Für einfache großzügige Muster stellt man sich eine Schemazeichnung mit genauen Maßangaben auf, da es sich bei solchen Arbeiten nicht auf die Anzahl der Schüsse ankommt.
Beim Weben ist die dem Webenden zugewandte Seite die linke Seite der Arbeit, daher muss man bei figürlichen Darstellungen und einseitigen Mustern das Muster seitenverkehrt weben, um aufder rechten Seite das richtige Bild zu erhalten.
Geometrische Muster brauchen nicht im bild gewebt zu werden.
Hat man Gelegenheit, an alten Gobelins die Rückseite zu betrachten, so findet man dort lose hängende Anfangs- und Schußfäden der einzelnen Farben.
Man webt also immer in einzelnen Phasen die jeweiligen Farbflächen und außer den vielen Anfangs- und Endfäden erhält man noch zwischen den Farbblöcken Schlitze.


Quelle:
"Weben und andere Handarbeitstechniken"
aus dem Verlag für die Frau
Handarbeitstechnik Band 10

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